
Es liegt nicht an der Kultur.
Die Japan-Strategie ist gut. Warum scheitert die Umsetzung?
Von Markus Schädlich, Founder & Lead Partner, CBI Partners · Lesezeit ca. 4 Minuten
Wer sich mit dem Japangeschäft beschäftigt, kennt die Botschaft aus jedem Seminar und jedem Buch: Die Kultur ist anders, die Kunden brauchen Zeit, alles dauert länger. Das stimmt. Aber was fängt man damit an? Dieses Wissen beschreibt die Schwierigkeit. Es löst sie nicht.
Die interessantere Frage lautet: Wie verfolgt man in Japan seine Ziele trotzdem schnell, transparent, geplant und nachvollziehbar? Wie passt man sich zügig an den Markt an – und woran erkennt man früh, dass etwas schiefläuft? Denn bei aller Besonderheit gilt: Die Schwerkraft wirkt auch in Tokio. Geldströme, Konten, Margen – das Geschäft funktioniert in Japan wie überall sonst.
1. Kultur ist ein Businessfaktor – und nie eine Entschuldigung für Versagen
Als CBI vor 20 Jahren begann, brachten die Managing Partner jeweils 10 bis 15 Jahre Japanerfahrung mit. Die Idee: diese Erfahrung nutzen, damit Unternehmen effizienter und effektiver werden. Gelernt haben wir etwas anderes. Kultur ist ein Faktor, der gemanagt werden muss – wie Preis, Lieferzeit oder Lagerhaltung.
Problematisch wird es, wenn Kultur zur Entschuldigung wird. Haben verfehlte Ziele weder in der Zentrale noch in der Niederlassung Konsequenzen, entsteht ein bekanntes Muster: Unternehmen sind seit Jahrzehnten vor Ort, erreichen nie nennenswerte Marktanteile oder verbrennen dauerhaft Geld – weil „man in einem so wichtigen Markt präsent sein muss“. Das kann eine bewusste Entscheidung sein. Dann gehört sie aber ins Marketingbudget, nicht in den Businessplan.
Kultur ist ein Businessfaktor, der gemanagt werden muss – und darf nie als Entschuldigung für Versagen dienen.
2. Die wenigen Hebel kennen
In Dutzenden Fitness-Checks haben wir analysiert, warum Geschäft in Japan funktioniert – oder nicht. Eine einfache Formel gibt es dabei nicht: Das Muster ist von Unternehmen zu Unternehmen verschieden. Erkennen lässt es sich nur systematisch – mit dem Blick auf das ganze Unternehmen statt auf einzelne Symptome. Deshalb haben wir unseren ganzheitlichen Ansatz entwickelt.

Ein häufiges Muster: Die Führung vor Ort und in der Zentrale kann nicht klar benennen, welche wenigen Aktionen, Kontakte und Hebel das Geschäft tatsächlich bewegen.
Selten sind lokale Führungskräfte beides zugleich: im Markt verwurzelt und in der Lage, Anforderungen so aufzubereiten, dass die Zentrale sie versteht. Erst dann entstehen die richtigen Entscheidungen zu Produkt, Prozess, Logistik oder Preis. Das Geschäft scheitert nicht an der Kultur. Es scheitert am Geschäftsmodell, am Setup und an den Menschen.
3. Englisch ist keine Führungskompetenz
Ein verbreiteter Irrtum: Die Cross-Border-Fähigkeit einer Führungskraft wird an ihren Englischkenntnissen gemessen – oder daran, wie souverän sie Besucher aus der Zentrale betreut. Wer gut mit Ausländern umgehen kann, wirkt in der Zentrale schnell wie die richtige Wahl. Nach unserer Erfahrung ist das ein Trugschluss. Entscheidend ist etwas anderes – Führung, Strategie, konsequentes Nachverfolgen von Aufgaben, Umsetzungserfahrung über Grenzen hinweg und die Bereitschaft, gesunde Konflikte einzugehen. Diese Fähigkeiten werden selten bewertet und fast nie systematisch entwickelt.
Statt zu fragen, wo eine Führungskraft stark ist und welche Lücken sich durch Training und Personalentwicklung schließen lassen, wird oft ein Manager nach dem anderen ausgetauscht. Der Preis ist hoch: Reputationsverlust im Markt, Vertrauensverlust in der Organisation und die Kosten jeder Neubesetzung – Suche, Einstellung, Einarbeitung. Nicht selten ein sechsstelliger Betrag pro Wechsel.
Gefragt ist dabei nicht nur die Führungskraft vor Ort. Genauso entscheidend ist die Haltung der Zentrale: Stehen Management und Verantwortliche zu ihrer Niederlassung, wenn gesunde Konflikte entstehen – oder weichen sie aus? Auch hier helfen Training und Coaching, oft auf beiden Seiten.
Symptome behandeln – oder Ursachen?
Geringes Wachstum, niedriger Marktanteil, unprofitable Projekte, nicht durchsetzbare Preiserhöhungen: Das sind Symptome. Wer nur auf sie reagiert, wiederholt den Kreislauf. Wirksamer sind drei unbequeme Fragen:
- Warum haben wir das nicht bewusst gemanagt?
- Warum haben wir es nicht kommen sehen?
- Warum haben unsere Führungskräfte nicht früher reagiert?
Wer diese Fragen ehrlich beantwortet, kommt zu den Ursachen. Ebenso wichtig ist der Blick nach vorn: Was wollen wir sein – und welche Lücken trennen uns noch davon? Aus Ursachen und Zielbild ergeben sich die Hebel, die tatsächlich etwas verändern. Genau hier setzt CBI seit 20 Jahren an: nicht nur die Antwort finden, sondern die Lösung gemeinsam umsetzen.
Sieben Fragen für Ihr Japangeschäft
Aus Dutzenden Fitness-Checks: sieben unserer zwanzig Kernfragen. Sie decken die Felder unseres ganzheitlichen Ansatzes ab – von Strategie und Markt bis zu Führung und Organisation. Wer sie nicht klar mit Ja beantworten kann, hat seine Hebel gefunden.
- ZieleErreicht das Managementteam in Japan regelmäßig seine Ziele – und verstehen Zentrale und Niederlassung darunter dasselbe?
- FrühwarnungWerden verfehlte Ziele früh und gleich mit konkreten Gegenmaßnahmen kommuniziert – nicht erst im Jahresabschluss?
- KerninitiativenGibt es fünf bis acht klar definierte Kerninitiativen mit Verantwortlichen und Kennzahlen, die das Geschäft in Japan tragen?
- Lokal und globalGibt es für Hauptkunden und Hauptproduktlinien One-Pager, die japanische Anforderungen und globale Spezifikationen gegenüberstellen – und zeigen, wie beide zusammengebracht werden?
- Stimme des MarktesKommt das Feedback japanischer Kunden beim Produktmanagement und in der Entwicklung der Zentrale an – und können Sie eine Entscheidung nennen, die es in den letzten zwölf Monaten verändert hat?
- EntscheidungenWerden Preis-, Spezifikations- und Eskalationsentscheidungen dort getroffen, wo das Kundenwissen sitzt – mit klaren Schwellenwerten?
- FührungWird Ihre Führungskraft vor Ort an Führung, Umsetzung und Konfliktfähigkeit gemessen und gezielt entwickelt – nicht an ihrem Englisch?
Alle zwanzig Fragen
Die sieben Fragen oben und dreizehn weitere – jeweils mit Zielbild, Warnsignalen und dem ersten Hebel. Lesen Sie sie oder beantworten Sie sie direkt online: Die Auswertung erscheint sofort in Ihrem Browser. Ohne Registrierung, es werden keine Daten gespeichert.
Ein Team mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in Cross-Border Implementation.
